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Sei dennoch unverzagt

1609-1640

Paul Fleming 1609-1640

Paul Fleming An sich

Sei dennoch unverzagt. Gib dennoch unverloren,
Weich keinem Glücke nicht. Steh höher als der Neid.
Vergnüge dich an dir, und acht es für kein Leid,
Hat sich gleich wider dich Glück, Ort und Zeit verschworen.

Was dich betrübt und labt, halt alles für erkoren,
Nimm dein Verhängnis an. Laß alles unbereut.
Tu, was getan muß sein, und eh man dir’s gebeut.
Was du noch hoffen kannst, das wird noch stets geboren.

Was klagt, was lobt man doch? Sein Unglück und sein Glücke
Ist ihm ein jeder selbst. Schau alle Sachen an.
Dies alles ist in dir. Laß deinen eitlen Wahn,

Und eh du förder gehst, so geh in dich zurücke.
Wer sein selbst Meister ist und sich beherrschen kann,
Dem ist die weite Welt und alles untertan.

zit. nach: Echtermeyer, von Wiese: Deutsche Gedichte. 1956

Frühes 17. Jahrhundert. Der Barockdichter Paul Fleming schreibt ein Gedicht “An sich” selbst. Der Mensch selbst steht im Zentrum. Er wartet nicht, er handelt. Er verantwortet. Er weiß, dass es nicht leicht wird. Er nimmt die Herausforderung an. Das Gedicht liest sich wie ein Kommentar zu “der Krise” 2009.

Hat er etwa Steven R. Coveys Bestseller “The Seven Habits of Highly Effective People” gelesen? Das erste Kapitel “Be proactive”? Nein, hat er nicht. Denn das erscheint erst 350 Jahre später.