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Der Apple und das Apfelkind

Zwei Logos, ein Problem: Apple und Apfelkind streiten um die Verwendung ihrer Marke

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“Apple bedrängt das Apfelkind” titelt der Bonner Generalanzeiger am heutigen 21.10.2011.

“Ipod gegen Kaffeepott: Apple nimmt Bonner Südstadtcafé ins Visier” lautet der Beitrag des Radio Bonn-Rhein-Sieg.

Und “Bonner Café Apfelkind in Aufruhr: Apple legt Widerspruch gegen ein Logo ein”, legt das Basic Thinking-Blog nach.

Worum geht es? Ein kleines Bonner Südstadt-Café meldet sein Logo und seinen Namen “Apfelkind” als Wort-Bild-Marke beim Patentamt an. Dagegen erhebt der Konzern “Apple” Widerspruch. Ein globaler Computer-Großkonzern geht gegen ein kleines Regional-Café vor.

Es ist klar, dass hier die Wellen der Entrüstung hoch schlagen. Der Stoff bietet alle Zutaten, die für eine Geschichte nach dem Muster “David gegen Goliath” benötigt werden:

Erstens einen überzeugenden Goliath - perfekt verkörpert vom Konzern Apple, der mit seiner restriktiven Marken- und Marktpolitik und der Verweigerung von Interoperabilität auf nahezu allen Ebenen nicht eben für eine Kultur des Teilens steht.

Zweitens einen kleinen, aber aufrechten David - gut getroffen von einem lokalen, familienfreundlichen Café mit sonnendurchflutetem Kinderspielzimmer, einem Ort also für die Allerkleinsten.

Dennoch möchte ich etwas zu bedenken geben: Das Problem besteht nicht in erster Linie darin, dass die Café-Eigentümerin den Namen “Apfelkind” mit dem entsprechenden Logo für ihr Café nutzt. Sondern die Schwierigkeiten entstehen dadurch, dass sie diese zur Wort-Bild-Marke beim Patenamt in München angemeldet hat und damit für sich selbst den Schutz dieses Kennzeichens in Anspruch nimmt. Wer Kennzeichenschutz anmeldet, der sagt: Nur ich möchte diesen Namen und dieses Logo in meinem Zusammenhang verwenden dürfen. Das heißt: im Grunde hat sie zuerst einen Anspruch angemeldet, worauf dann Apple mit Widerspruch geantwortet hat.

Große Marken werden von Markenanwälten überwacht, deren Aufgabe es gerade ist, einzuschreiten, bevor Widerspruchsfristen abgelaufen sind. Und je größer die Marke ist, um so größer ist auch der Markenschutzraum, der sie umgibt und ihr zugebilligt wird.

“Verwechselbarkeit” ist ein sehr weiter Begriff, so mancher wäre überrascht, was alles rechtlich als verwechselbar eingestuft wird. Das “Apfelkind” darf nicht zu nah am “Apple” liegen. Aber wie nah oder weit ist das? Eine juristische Markenrecherche hat gerade die Aufgabe, solche Risiken im Vorfeld realistisch einzuschätzen.

Vielleicht wäre es in diesem Fall ein guter Rat gewesen, die Marke zwar zu nutzen, sie aber nicht ausschließlich für sich zu beanspruchen. Eine Kultur des Teilens auf Markenebene, sozusagen. Allerdings riskiert man so, dass einem die Nutzung des eigenen Namens irgendwann doch untersagt wird. Wer seinen Markennamen und sein Logo wirklich ausschließlich nutzen will, muss dann eben sicherstellen, dass er auch die alleinigen Rechte daran hat.

Auf die Idee zum Markennamen kam die Cafébesitzerin, weil im Garten der Vermieter so viele Apfelbäume stehen. Schade eigentlich, dass im Garten der Vermieter keine Birnbäume wachsen.

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Weitere Meinungen zum Thema bei Robert Basic und Christoph Kappes.

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Logos: Apple, Römer