Das Zwiesel ist los!

Entdeckungen in Grimms Wörterbuch: ZWIESEL

Jacob und Wilhem, die beiden Brüder, die sogenannten Gebrüder Grimm, haben ja zum Glück nicht nur Märchen gesammelt, sondern auch Worte. Und sogar richtig viele: Das “Deutsche Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm” hat 33 Bände*. Sie stehen hier hübsch aufgereiht und sind mir vor allem bei der Namensentwicklung eine großartige Hilfe. Und wenn ich etwas nachschaue, dann sind - wie so oft - am schönsten die Entdeckungen am Rande, die einem beim Blättern ins Auge springen.

“Hups! Ein Marzipanjüngling!” Herrlich. (Der Marzipanjüngling ist mir allerdings entsprungen, ich habe ihn nicht wiedergefunden, jedenfalls nicht unter “M”. Wenn ihn jemand wiederfindet, bitte melden!)

So auch - beginning from the end, also entdeckt im letzten Band - das Zwiesel. Eigentlich ist es die oder der Zwiesel und kommt vom germanischen Stamm twis “zweimal” bzw. “entzwei, auseinander”: “Zwiesel bezeichnet die Stelle, an der sich etwas gabelt, und ein gabelförmiges Ding selbst.” Also bei Ästen, Flüssen und Wegen die Stelle, an der eine Entscheidung fällig ist. Einfach ein schönes Wort also, was man ihm auch gleich anmerkt. Das Zwiesel steht in guter Gesellschaft mit Zwielicht und Zweifel, auch mit dem Zwickel und der Zwiefalt. Und ich finde, dass es sich auch hervorragend als Adjektiv eignet: “Ich weiß nicht. Mir ist heute so zwieselig.”

* Der Genauigkeit halber sei hier angemerkt, dass die Brüder Grimm - obwohl sie 25 Jahre an dem Projekt arbeiteten - selbst nur bis zum Buchtaben “E” kamen. Jacob Grimm starb 1863 als letzter der beiden, “über der Bearbeitung des Artikels »Frucht«” (sagt Wikipedia, die es heute viel leichter mit dem Aggregieren von Wissen hat).

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Kommentar zu “Das Zwiesel ist los!”

  1. wolfgang

    So oft hört man vom Zwiesel nichts, kam mir letztens noch unter beim Kauf eines “Pfaffenhütchens” (auch ein schöner Name für eine schöne Pflanze)
    “Als Zwiesel wächst es nicht gut”

Kommentare