Gottes Schluckauf oder der Name des Higgs-Boson

Heute wird es gefeiert und die Medien überschlagen sich: das “Gottesteilchen” − the “god particle” − wurde höchstwahrscheinlich entdeckt − mit CERN und großer Presse. Bild online titelte sogleich “Gibt es das mysteriöse Gottesteilchen?” und Spiegel online gibt sich nur vermeintlich sachlicher “Physiker feiern Durchbruch bei der Gottesteilchen-Suche“. Das klingt gut und erweckt den Anschein als wäre das Higgs-Boson der Gottesbeweis, die Beseeltheit der Materie nun wissenschaftlich belegt und damit Glaube und Wissenschaft für alle Zukunft vermählt.

Gut. Die Physik schafft es ja auch nicht jeden Tag auf den Olymp des Medienhimmels. Warum es nicht mir einem “Gottesteilchen” versuchen. In der Wissenschaftswelt selbst wird man mit dieser Benennung wiederum wenig glücklich sein. Ist doch im “Gottesteilchen” so viel Gott drin wie Bio-Schwein in einem McRib. Der reißerische Titel klingt nur für den Moment gut, eine Headline lang. Dann gehen Gott und die Teilchen wieder eigene Wege.

Wer hat’s erfunden? Die Schweizer?

Das Higgs Boson kam auf ganz banale Weise zu seinem unwissenschaftlichen Titel “Gottesteilchen” − the “god particle”. Den Namen prägte unfreiwilligerweise der Physiker und Nobelpreisträger Leon Ledermann, so weiß Peter Higgs selbst im Guardian zu berichten:

“He wanted to refer to it as that ‘goddamn particle’ and his editor wouldn’t let him,” says Higgs.

So schnell kann es also gehen: eben noch goddamn und gleich danach gottgleich. Eine ungemein beschleunigte Namensentwicklung finden wir als Naming-Agentur. Higgs selbst ist verständlicherweise unglücklich mit dem göttlichen Titel. Er nennt das Teilchen bescheiden the “boson named after me”.

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