Da weiß man, was man hat

Der inhouse entstandene Slogan von Persil gehört zu den bekanntesten in Deutschland. Und er gehört auch heute noch zur Marke. Gelernt ist gelernt. Und das ist viel wert.

In den 1970ern wurde Jan-Gert Hagemeyer zur Inkarnation des Slogans. Als “Persil-Mann” konnte er die Positionierung von Persil als “vom Experten empfohlen” einem Millionenpublikum von auf-Schwiegersöhne-wartenden Müttern überzeugend übermitteln. Langweilig, aber zielgruppengenau alles richtig gemacht.

Wer hätte nicht seine Jugend mit dieser mütterlichen Gewissheit verbracht, dass Persil “weißer als weiß” wäscht. So weiß, dass das Produkt sogar als Namensgeber dafür herhalten musste, wenn in der Nachnazizeit die Reste der braunen Hemden den weißen Westen weichen sollten.

Käme Persil erst heute mit dem Spruch “Da weiß man, was man hat” auf den Markt, wären die Reaktionen − sofern überhaupt jemand davon Notiz nehmen würde − vernichtend:

  1. Gelogen.
  2. Warum “2 x man”? Die Zielgruppe sind doch offensichtlich Frauen.
  3. Hahaha: “weiß” wie Farbe und von wissen, echt witzig.

Die Kommunikationsflüsse haben sich verändert. Unternehmen haben nicht mehr die Kommunikationshoheit über ihr Produkt. Kunden selbst werden zur Infomationsquelle für andere Kunden. Im Internet, in Blogs, in social networks werden Informationen und Kommentare veröffentlicht, weitergeleitet und breit gestreut. Schließlich verfügen Millionen von Usern über millionenfaches individuelles Wissen. Das teilen sie miteinander.

Heute kann also jeder Experte sein. Falschaussagen und Marketingfehler werden schnell zum unternehmerischen Desaster, wie die jüngst gestoppte PR-Aktion “Jedem den Seinen” von Tchibo und Esso zeigt. Früher hätte man die Aktion schnell und hübsch abgelöst und niemand hätte darüber mehr ein Wort verloren. Schaden damals: die Kosten für die Kommunikationsagentur. Heute geistert das Thema durch die Presseagenturen, online Medien, die klassische Presse und Talkshows. Der Schaden: großer Imageverlust für die Unternehmen und natürlich für die Agentur.

Wie man vieles richtig macht, zeigt Persil auch heute. Konservativ bis zum Anschlag, aber konsequent auf die Zielgruppe: Hier wäscht Mutti heute immer noch die Wäsche und auch ganz toll weiß. Aber im Marketing ist man zeitgemäß aufgestellt. Seit April 2008 ist ein eigenes Blog online: das Persil Blog mit lifehaftigen BloggerInnen und UserInnen zu allen relevanten Fragen und Kommentaren rund um Persil, Reinheit und Sauberkeit. Und wollen Männer mal an die Wäsche, dann gibt es hier auch dafür tagesaktuelle Statements echter Expertinnen:

Bildquelle: Persilblog

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