Der Bahnsinn

Parallel zur multimedial inszenierten “Datenspähaffaire” der Deutschen Bahn konnte man am Dienstag Nachmittag und Abend auf Twitter life an einen Kommunikations-Krimi der besonderen Art teilnehmen.

Die Short-Story:

Markus Beckedahl, der de.webweit bekannte Blogger von netzpolitik.org, hat auf seinem Blog ein internes Memo der Deutschen Bahn AG veröffentlicht. Die Zugriffzahlen dürften sich in einer Größenordnung gehalten haben, über die man weder hier noch andernorts geredet oder geschrieben hätte. Bis die Deutsche Bahn Herrn Beckedahl abgemahnt hat. Es folgte ein “Hilfetweet” bei twitter und nun beschleunigte sich die Sache infernalisch. Zwei Stunden später berichtete “Futurezone” von ORF online von dem Vorgang. Gleichzeitig gab es Unterstützungsbekundungen der Grünen und der FDP. Danach folgten online-Berichte bei Focus, Horizont, Heise, N24, Der Westen, Spiegel. Und noch lässt das Interesse der Medien nicht nach. Das nennt man den Streisand-Effekt. Schön zu sehen an der Auflistung bei rivva. Und eine juristische Einschätzung zur Abmahnung der Deutschen Bahn findet sich hier.

Der Show-Down:

Ein Marketing-Etat kann also noch so riesig sein. Wenn die Kommunikationsstrategie nicht stimmt oder erst gar nicht vorhanden ist, schafft er keinen Mehrwert, sondern das Gegenteil.

Monarchische Strukturen vertragen sich nicht mit moderner Kommunikation.

Aussitzen ist nicht immer eine erfolgreiche Geschäftsstrategie.

Kommunikationsdesaster, wie sie derzeit der Deutschen Bahn und dem Vatikan unterlaufen, müssen und dürfen nicht passieren.

Das Happy-End:

Dringend gesucht: CCO − Chief Communication Officer. Here we are. Denn das geht auch alles besser: Wer kommuniziert (und das tun Unternehmen, ob sie wollen oder nicht) muss wissen, was er tut. Das setzt wenigstens Grundkenntnisse der Kommunikationsregeln im Internet und von Mikrobloggingdiensten wie Twitter voraus. Die sind kein Geheimnis. Und dass Kommunikation im Internet wirken kann, zeigt die Tatsache, dass der Server von netzpolitik.org gestern Abend einen Anfragenansturm von bis zu 250 Zugriffen pro Sekunde hatte. Das IST effektiv, wenn auch nicht so, wie die Deutsche Bahn AG sich das gewünscht hat. Auch das Vorhandensein von Krisenmanagement hätte der Deutschen Bahn schon im Vorfeld weitergeholfen sowie eine klare Vorstellung davon, was sie kommunizieren will. Gesunder Menschenverstand schadet nie.

Stichworte: , , ,

Kommentare

Sie müssen angemeldet sein um zu kommentieren.