Über die welthistorische Bedeutung von Quietscheenten ist bislang wenig bekannt. Das soll sich an dieser Stelle und aus Anlass der Sommerauszeit des TEXT-RAUMs ändern. Denn diese belächelten Gummitiere sind nicht nur haltbarer als man so meint, nein: Sie haben auch der Wissenschaft und damit der Menschheit einen Dienst erwiesen. “Friendly Floatees” werden sie genannt. Sie sind eine gelassen umhertreibende Flotte von Quietscheentchen, die ganz unbeabsichtigt, ganz im Spiel des Zufalls und des Lebens, einen neuen Forschungszweig begründeten.

Ich entdeckte sie - auch per Zufall - bei Wikipedia während der Suche nach einem Produktnamen. Wie kam ich noch darauf? Ich weiß es nicht mehr. Im Spiel frei fließender Bezüge findet sich so manches. Die Suche nach Namen braucht in kleinen Zeitinseln das Treibenlassen, das frei Spielen, das, ja auch, “Herumsurfen” und Wieder-zurück-Finden. Mein Fund in diesem Fall also ein Treibgut ganz besonderer Art, das einen sofort am Schreibtisch inmitten aller loser Fäden und Strategieziele erstrahlen lässt. Ein Moment der Freude.

Das Quietscheentchen. Ernie’s beste Freundin und Zankapfel zwischen Herrn Müller-Lüdenscheidt und Herrn Doktor Klöbner. Im Englischen hört sie auf den schönen und rhythmischen Namen “rubber duck”. Wie schafft sie es in die Weltforschungsgeschichte?

An einem kalten Januartag im Jahr 1992 gerieten 29.000 gelbe Enten (in Gesellschaft, um genau zu sein, von “grünen Fröschen, blauen Schildkröten und roten Bibern”) in einen schweren Sturm. Sie gingen allesamt im Nordpazifik über Bord, und zwar ausgerechnet an der Datumsgrenze. Man weiß ja nie, wozu sowas gut ist. Nach 8 Monaten tauchten die ersten Quietscheenten wieder auf, in Alaska. Bald darauf in Australien und Chile, 1995 erreichten einige die Beringsee. Die klugen Tiere folgten der Ringströmung des Pazifiks, die sich 2 bis 3 Jahre für eine Weltumkreisung Zeit nimmt. Meeresströmungsforscher und Klimaforscher nahmen sich der Quietscheenten an, die auf ihrer Reise bis zu 27.000 Kilometer zurücklegten.

Die Oberflächen-Meeresströmungen werden seither mit neuen Augen gesehen. So kann es gehen. Ein kleiner Schritt für die Ente, aber ein großer Fortschritt für die Meeresströmungsforschung.

Oder ist das alles eine Ente? Eine Ausgeburt eines längst vergangenen Sommerlochs? Ganz ehrlich: Ich weiß es nicht. Und ich forsche auch nicht nach, weil ich sie lieber in der Schwebe halten möchte, meine Friendly Floatees. Meine geliebten Sommerenten, meine kleinen Treiblinge.

Foto: Toniht

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