Verbringen Sie Qualitätszeit mit Ihren Kunden!

Ich habe mir ein wenig Zeit geliehen, um ein paar Fäden aufzugreifen. Heute machte ein Interview der Süddeutschen Zeitung mit Amir Kassaei die Runde. Unter dem Titel “Kunden entscheiden selbst” fordert er neue Geschäftsmodelle für Werbeagenturen.

Was mich wundert, ist weniger, was Kassaei sagt (dem stimme ich zu), als die Tatsache, dass seine Aussagen offenbar mancherorts so ungewöhnlich sind, dass sie tatsächlich Nachrichtenwert für die SZ besitzen. “Einfach der Werbefuzzi zu sein, das reicht nicht mehr”, sagt Kassaei, als wäre das eine revolutionäre These. Aber es ist keine revolutionäre These, es ist eine banale Tatsache. Einfach der Werbefuzzi zu sein, der schlechte Produkte hinter lustigen Werbeideen kaschiert - das hat noch nie gereicht. Soviel Anspruch muss sein. Jetzt wo die Kunden durch den Informationsstrom des Internet “mündig” geworden sind, fällt es natürlich schneller auf, dass das nicht reicht.

Zugleich deckt der Chefredakteur der Bild-Zeitung Kai Diekmann, der sich allmählich warmbloggt, in seinem Blog die Reichweiten-Trickserei des Online-Portals der SZ auf. Der triumphale Traffic-Zugewinn der letzten Monate, mit dem sich das Blatt geschmückt habe, sei auf die Beliebtheit von Online-Spielen zurückzuführen. Ich weiß nicht, ob das stimmt. Vielleicht machen das auch alle.

In jedem Fall bedeutet es, dass alle munter nach den alten Regeln weitermachen. Was sagt es aus, wenn auf einer Website viel geklickt wird, ohne dass es mit den eigentlichen Inhalten zu tun hat? Was nutzt es, wenn ein lustiger Werbefilm ein Produkt preist, das den Ansprüchen nicht gerecht wird? Was nützt es, über einen auf dem Sofa sitzenden Fernsehzuschauer Werbespots auszukippen, egal ob er an dem Thema interessiert ist? Was ist der Gedanke dahinter? Irgendetwas wird schon hängenbleiben?

Ja, ich weiß. Klickraten. Reichweiten. Anzeigenkunden. Aber reine Klickraten (oder: Quoten) bringen im Grunde weder die Redaktion, noch den Werbefuzzi, noch das werbende Unternehmen weiter.

Die Frage ist doch: Wie schaffe ich es, einen wirklichen Kontakt herzustellen? Wie kann ich eine Verbindung zu meinen Kunden aufbauen? Nicht nur zu seinem Portemonnaie, das ist untreu und wankelmütig. Nein, eine Verbindung zu dem Menschen im Kunden. Er erinnert sich an Begegnungen. Er ist treu, wenn man aufrichtig zu ihm ist. Eine gewachsene Beziehung kann auch Fehler verzeihen und mitwachsen.

Es ist Zeit, über die Qualität der Kontakte nachzudenken statt nur über die Quantität. “Qualitätszeit” heißt das im Bereich der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Längst nachgewiesen, dass für die Entwicklung von Kindern nicht die Quantität der mit ihnen verbrachten Zeit wichtig ist, sondern die Qualität. Aufmerksamkeit, Zugewandtheit.

Diese Art der Bindung entsteht durch Vertrauen. Vertrauen entsteht durch Glaubwürdigkeit. Und Glaubwürdigkeit nur durch ehrliche Kommunikation.

Um das Vertrauen der Menschen zu werben, das ist Werben im eigentlichen Sinn.

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